65 Tage Ernstfall Abenteuer inklusive Schiffbruch – Teil 3

Wir sind gerade 4 Wochen unterwegs und schon haben wir Schiffbruch erlitten. Willy steht wieder einmal in der Werkstatt und wir auf der Straße. Nicht ganz, denn die Nacht bis zum Werkstatttermin dürfen wir vor selbiger nächtigen. Auch hier schlafen wir wider erwarten gut.

Um 8 ist der angesetzte Termin. Wir packen unsere Laptops und die Jungs und machen es uns in der Lobby der riesigen Iveco-Werkstatt in Cagny bei Caen gemütlich. Ich schreibe unseren 2x im Monat erscheinenden Newsletter (melde Dich hier gerne an, so verpasst Du keinen Beitrag und schöne Bilder und Videos und unsere neuesten Erkenntnisse erfährst Du so immer direkt).

 

Der Gatte schneidet derweil das Video, das Du im vorherigen Beitrag gesehen hast. Nach 40 Minuten kommt der Mechaniker um die Ecke und sagt: Not good!

Das ist jetzt nicht sein ernst, oder? Was ist denn jetzt SCHON WIEDER? Der Gatte geht der Sache auf die Spur und schnell wird klar, dass nicht nur der Keilriemen gerissen, sondern auch noch die Lichtmaschine hin ist.

Kommunikation in der Werkstatt

Bevor wir ins Detail gehen möchten wir hier kurz einmal eine Lobeshymne auf die Franzosen und auf die neuen technischen Möglichkeiten singen. Ein bisschen französisch können wir ja. Ich bin fürs reden zuständig, der Gatte fürs verstehen. Für einen Werkstattbesuch reicht es bei mir definitiv nicht mit dem Wortschatz. Doch hier kommen iTranslate und Tante Google ins Spiel. In der ProVersion von iTranslate kann man tatsächlich einfach auf deutsch in sein Handy quasseln und das Programm übersetzt. So hat der Gatte kommuniziert. Sein Gegenüber hat den Bildschirm an seinem Arbeitsplatz so gedreht, dass der Gatte die Google-Übersetzung mitlesen konnte.

Auch sonst war die Kommunikation mit der Werkstatt die beste, die wir in den letzten Monaten – oder eigentlich überhaupt je – hatten. Der Austausch ging meist per Mail wenn irgendwelche Fragen auftauchten. Als klar war, dass Willy länger bleiben muss und wir eine Unterkunft brauchen, bestellte uns die Werkstatt einen Leihwagen samt zugehörigem Taxi, das den Gatten zum Leihwagenverleih (was ein Wort) brachte. Hier kann sich die Servicewüste Deutschland gerne mal ein Scheibchen abschneiden. Das Zuckerl war noch, als „unser“ Mechaniker nach der Abholung von Willy ein Like auf unserer Facebookseite hinterließ und uns eine gute Weiterreise wünschte <3

Wie es dann weiter ging

Lichtmaschine hin also. Bedeutet längere Reparatur, mehr Nerven, mehr Kosten. Dass die Garantie des Händlers just am Tag des „Unfalls“ abgelaufen ist, erwähne ich hier nur der Form halber. Ab sofort stehen wir für alles ein, was Willy da so an krudem Innenleben zu bieten hat. Statt zu verzweifeln machen wir das, was wir am besten können: Planlos organisieren und uns ins Tun stürzen. Der von uns herausgesuchte Campingplatz bietet glücklicherweise auch „Cottages“ – Mobilheime – an. Natürlich ist nur ein Hund erlaubt, aber bisher sind wir immer mit reden ans Ziel gekommen. So auch diesmal. Wir dürfen von Samstag bis Mittwoch bleiben, dann ist Willy fertig. Einen Leihwagen haben wir auch. Der ganze Spaß ist nicht nur sehr teuer sondern auch nicht wirklich spaßig.

Die Unterkunft ist auf den ersten Blick okay, auf den zweiten nervt so ziemlich alles. Nicht nur uns, sondern vor allem auch die Fluse. Der hässliche Sandstrand machen die Enge auf dem Campingplatz mit den Nachbarn, die morgens um 9 schon den Fernseher einschalten, nicht wirklich besser. Einzig unsere neu gewonnene Mobilität erfreut uns sehr. Auto fahren, einfach mal wohin gurken – wunderbar. Während wir versuchen die Moral aufrecht zu halten, gibt die Fluse uns zu verstehen, dass er alles hier hasst. Selbst den Strand findet er doof. Wir hassen das Bett, für das man eigentlich Schmerzensgeld verlangen müsste.

Überlegungen in alle Richtungen

Wir machen uns natürlich Gedanken, wie es weiter gehen soll. Und zum ersten Mal seit Aufbruch habe ich wieder das Gefühl, dass wir ein Team sind. Unser gemeinsamer Endgegner: Willy. Das Gefühl verstärkt sich, als am Montag Abend eine Mail von der Werkstatt kommt. Im Anhang ein Bild von einem recht maroden Schlauch vom oder zum Turbolader, den wir besser auch austauschen sollen. Auf die 200 Euro kommt es ja nun auch nicht mehr an…

So richtig zu einem Schluss, wie es denn nun konkret weiter gehen soll, kommen wir nicht. Denn egal, was wir auch überlegen: Es würde bedeuten, nach Deutschland zurück zu kehren. Wir hatten monatelang darauf hingearbeitet, endlich in der Normandie sein zu können. Wir haben gestritten, die schlechte Laune des anderen ertragen, zusammen gekämpft und uns durchgeboxt. So viel über uns ergehen lassen und auf uns genommen. Es kann doch jetzt nicht vorbei sein, wo es gerade erst anfängt?

Gas-Wasser-Scheiße

Am Mittwoch holen wir Willy. Prompt ist uns in der Werkstatt das Gas ausgegangen, was zu einem abgetauten Kühlschrank und 3 Kilo Hundefutter im Gefrierfach führte. Auch meine Straußenleber von der Straußenfarm ist hinüber. Da wir irgendwie in der Aufregung den Gasadapter fürs Ausland verschusselt haben, sind wir nun gaslos. Zumindest kurzzeitig, denn der bisher von uns unbenutzte Gastank hat tatsächlich 40% Füllung. Wir haben zwar etwas Bedenken, als wir ihn benutzen, er funktioniert aber einwandfrei.

Wir fahren also los zu unserem heutigen Etappenziel, einem Stellplatz. Direkt am Ortsrand gelegen scheint es hier ganz nett zu sein. Wichtigstes Ziel für heute: Wasser tanken. Ein Schild weißt darauf hin, dass man dazu Marken beim Bäcker und an anderen Stellen im Ort bekommt. Ich ziehe mit den Jungs los, bekomme eine Marke und freue mich auf einen ruhigen Abend. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich an der Wohnsituation nix geändert: Wir fühlen uns sauwohl in Willy. Ein freundlicher Franzose macht uns darauf aufmerksam, dass es aktuell kein Wasser gibt. Das heißt für uns: Wir können hier nicht bleiben.

Unsere App zeigt uns im Umkreis von 10 km weder einen Stellplatz, noch einen Campingplatz an. Wir kurven auf gut Glück los und finden tatsächlich bald ein Schild, das auf einen Campingplatz hinweist. Leider verliert sich die Spur zu selbigem schon an der nächsten Kreuzung. Wir kurven weiter und stoßen zufällig auf einen, der nirgends verzeichnet ist. Le Clos Tranquille nennt er sich – klein, ruhig, grün und fast menschenleer – genau nach unserem Geschmack. Unser Abwasser kriegen wir hier zwar auch nicht los, zumindest aber können wir Wasser tanken und stehen ohne plärrenden Fernseher nebenan und nicht eingeengt.