Eine Nacht „im“ Sudkessel

Zum ersten Teil von unserem Landvergnügen Erfahrungsbericht gehts hier lang. Wie Ihr seht, haben wir einen exzellenten Guide an der Hand, der uns auch am zweiten Tag gute Dienste erweist.

Wir besuchen den Faber-Hof in Hilpoltstein, eine selbsternannte Nutztierarche, die sich den Erhalt vom aussterben bedrohter Nutztiere auf die Fahne geschrieben haben. Schafe und Wollschweine werden beherbergt. Nach einer kleinen Verkostung decken wir uns mit ein paar kulinarischen Leckerbissen wie Wollschweinschinken, Lammpastete und Salzgemüse ein und ziehen direkt weiter zur Lände in Hilpoltstein, auf den am Main-Donau-Kanal gelegenen Stellplatz. Unser neues Nomadenleben ist aufregend und macht darüberhinaus auch sehr hungrig 😉

Auf dem Stellplatz entdecke ich einen Camper, der das gleiche Modell hat wie unser Willy. Ich mache mich also direkt mal auf den Weg, um etwas mit dem Besitzer fachzusimpeln und vielleicht ein paar Eigenheiten des Modells in Erfahrung zu bringen. Die Rechnung geht jedenfalls auf: Mit guten Empfehlungen und der Erkenntnis, das Willy an und für sich ein grundsolides Mobil mit wenig Schwachstellen ist – so der Besitzer des ebenbürtigen Modells. Das läßt hoffen, auch wenn man sich das derzeit noch nicht wirklich vorstellen kann.

Camping in der Brauerei

Gestärkt, motiviert und bereichert an Erfahrung und Information machen wir uns auf den Weg zum zweiten Nachtlager unserer kleinen Tour. Wunderschön im Altmühltal gelegen, befindet sich die Brauerei Schneider im kleinen und beschaulichen Markt Essing, zwischen Riedenburg und Kelheim, direkt an der Altmühl. Wir dürfen uns in den Brauereihof stellen, quasi direkt neben den Sudkessel. Malerische Kulisse, ein schöner Biergarten, gutes Essen und schmackhaftes Bier runden einen gelungenen, aber auch anstrengenden Tag ab.

Wieso anstrengend? werdet ihr Euch jetzt denken. Ein wenig umher fahren, einkaufen, lecker essen – so schlimm kann das nicht sein. Körperlich gesehen ist es das auch nicht, es ist mehr die mentale Anspannung, die einen erschöpft – das Neue und Ungewohnte.

Umso mehr fühlen wir uns darin bestätigt, das Richtige getan zu haben und mit dem Leihmobil zu üben, als einfach nur stupide darauf zu warten, das Willy irgendwann mal fahrbereit ist. Auf diese Weise können wir zumindest ein kleinwenig der verlorenen Zeit wieder aufholen.

Landvergnügen Erfahrungsbericht

Wir sehn uns wieder in Walhalla

Wohin führt uns denn der Weg heute? Wir sind etwas unentschlossen und vertagen die Entscheidung auf nach dem Frühstück, das wir ganz Camperstyle auf einem Parkplatz zubereiten – kleiner Gasgrill, Eier, Speck und Kaffee – ein tolles Gefühl. So langsam reift auch der Plan für den heutigen Tag. Zunächst der Wochenendeinkauf, dann sämtliche Ressourcen am Wohnmobil auffüllen bzw. entleeren und weiter geht die Fahrt Richtung Regensburg und wir entscheiden uns schließlich für den Parkplatz direkt an der Walhalla in Donaustauf. Trotz Ausflugsverkehr verbringen wir eine ruhige Nacht und machen uns am nächsten Tag erst nach dem Mittag wieder auf den Weg zu unserem nächsten Landvergnügenziel in Bernried, nahe Deggendorf. Der Wild-Berghof liegt etwas außerhalb der Ortschaft und grenzt direkt an das größte Hirschwild-Reservat im Bayerischen Wald.

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel, heißt es immer so schön, daher haben wir uns eine Route quer über kleine Landstraßen ausgesucht, die zwar landschaftlich sehr viel zu bieten hat, doch leider ist die Fluse da komplett anderer Meinung. Seit einer sehr langen Fahrt bei hochsommerlichen Temperaturen im vergangenen Jahr, reagiert er bei längeren Fahrten sehr gestresst. Hecheln, speicheln, Unruhe, das volle Programm – nervenaufreibend für alle Beteiligten, weil wir natürlich sehr besorgt sind um unseren großen Bären. So richtig deuten können wir das Problem leider auch nicht, eine ruhige und gleichmäßige Autobahnfahrt scheint besser als eine kurvige Überlandfahrt zu sein, ständiges Gerumpel wegen Fahrbahnunebenheiten mag er auch nicht. Wir beenden die Fahrten, soweit möglich, immer mit einem positiven Erlebnis, was auch sehr wirkungsvoll ist, da er sich sehr schnell wieder beruhigt und meist völlig erschöpft ein kleines Schläfchen abhält.

Hat jemand von Euch schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht auch in den Griff bekommen? Ihr dürft uns gerne Ratschläge geben. Auch ein Hund muß sich erstmal an die neuen Lebensumstände gewöhnen, der Terrier ist, obwohl ein eiserner Verfechter des geregelten Tagesablaufs, wesentlich entspannter am Werk. Wer den Terrier kennt, mag sich das nicht vorstellen können, aber bei der Fahrt ist er ne coole Socke 😉

Nach der großen Aufregung richten wir es uns gemütlich ein, drehen eine kleine Runde mit den Jungs, besuchen den hiesigen Hofladen und decken uns mit gebotenen Köstlichkeiten ein. Dieses Prinzip Landvergnügen schlägt ja bei uns voll ein. Geben und nehmen, wir dürfen für eine Nacht kostenlos auf den beteiligten Höfen stehen und im Gegenzug kaufen wir nach eigenem Ermessen bei den Hofbesitzern ein. Dabei können wir eigentlich nur verlieren, wer uns kennt weiß, das wir Genußmenschen sind und ein gefundenes Fressen für kulinarische Leckerbissen.

Ein erstes Resumee

Wir vier genießen die ländliche Ruhe und resümieren die vergangenen Tage. Was war gut, was schlecht. Die Jungs sind sich also diesbezüglich einig, dass es viel zu wenig zu essen gab, die Streicheleinheiten und Kuschelzeiten ebenfalls zu knapp bemessen waren und überhaupt wird noch sehr daran gezweifelt, ob dieses Nomadenleben hundekompatibel und fortführenswert ist. Was uns betrifft, so sind wir ein Stück weit ernüchtert. Es ist nicht so, das es uns nicht gefällt – das schon. Was uns irritiert, ist der hohe organisatorische Aufwand, der hinter dem Leben im Wohnmobil steckt. Sicher, wir sind blutige Anfänger, und was das Organisatorische angeht oftmals nahe an der Talentfreiheit. Vorgestellt hatten wir uns das Ganze etwas anders. Wir beratschlagen uns und beschließen die Sichtweise auf die Situation zu ändern, unsere Erwartungshaltung nach unten zu korrigieren und Abläufe zu optimieren, um freie Zeit für unsere eigentlichen Projekte zu schaffen.

Kurz darüber nachgedacht, war das ändern der Sichtweise ein einfaches, wir sehen jetzt nicht mehr was schlecht ist, sondern was wir aus der jeweiligen Situation für Lehren und Erfahrungen ziehen, was zu ändern ist und uns für die Zukunft an Erleichterung einbringt. Über unsere Fortschritte und Rückschläge werden wir Euch natürlich weiter informieren.

WoMo-Tetris

Tatsächlich haben wir eines sehr schnell begriffen: Jeder einzelne Zentimeter mehr Platz IM Wohnmobil ist Gold wert, besonders, wenn man mit einem ausgewachsenen Berner Sennenhund on Tour ist. Person 1 möchte die Tür zum Bad öffnen, geht nicht, der Berner liegt davor. Berner umsiedeln geht nicht, weil der Terrier im Weg liegt und der Berner sich nicht vorbeitraut. Schickt man den Terrier auf seinen Platz, kann der Berner umziehen. Badtür geht auf. Soweit so gut. Die 2. Person, die vorne an der Sitzgruppe sitzt, möchte aufstehen, um sich z. B. etwas zum trinken holen. Da liegt aber der Berner im Weg wegen der Badtüraktion. Erstmal aufgescheucht liegt er wieder vor der Badtür. Person 1 eingesperrt, Person 2 kann sich was zu trinken holen. Person 1 verscheucht den Berner, der kann aber nicht weg, da Person 2 gerade vor ihm steht und trinkt…. Es gäbe noch weitere Szenarien, das überlasse ich Eurer Fantasie. Diese Erfahrungen mit dem Auswechsel-Willy haben allerdings dazu beigetragen, den echten Willy trotz aller Querelen noch mehr wertzuschätzen.

Die zweite Erkenntnis dieser Tage sind Haken. Es hat den Anschein, als könne man davon nicht genug haben im Wohnmobil. Wir haben uns immer gewundert, warum unser Willy ja fast schon gespickt mit Haken ist. Wir sind jetzt nicht nur schlauer sondern auch dankbar dafür, dass der Willy nicht nur einen Haken sondern gleich mehrere hat 😉

Mit etwas Distanz und leicht nüchtern betrachtet, waren bis auf den letzten und immer noch andauernden Werkstattaufenthalt alles entweder Pfusch des Händlers, nicht gewechselte Verschleißteile, also Nachlässigkeit des Händlers, Beseitigung von Pfusch oder/und Nachlässigkeit oder unser eigenes Ansinnen (z. B. neue Polster, LTE-Antenne, Demontage SAT-Anlage) – wo Schatten ist gibt es auch Licht.

Wie unsere kleine Tour endet und ob es ein Happy-Willy-End gibt erfahrt ihr im dritten Teil. Wir hoffen, Dir hat dieser Landvergnügen Erfahrungsbericht geholfen. Hier kannst Du das Buch direkt bei amazon bestellen.

Landvergnügen Erfahrungsbericht