Free Williy II – Eine Geschichte voller Missverständnisse

Zum ersten Teil von Free Willy geht es hier entlang – lies Dir am besten die ganze Geschichte von vorne durch.

Es ist Samstag, der 16. Dezember, und wir laden Dinge ins Wohnmobil, richten uns ein und versuchen die Heizung zum laufen zu bekommen. Doch die mag nicht anspringen. Dafür riecht es immer wieder scheußlich nach Gas. Wir hoffen auf Profihilfe auf dem Hundeplatz, da sind genug Wohnmobilisten unterwegs. Dort wollen wir unsere erste Nacht im Wohnmobil verbringen und sind entsprechend freudig aufgeregt. Ein weiteres Mal fahren wir im Dunkeln mit dem Wohnmobil. Die ersten Kilometer sind holprig, denn die Gangschaltung ist äußerst zäh und der Gatte muss den 2. und 4. Gang sowie den Rückwärtsgang ziemlich heftig durchsetzen.

Am Hundeplatz angekommen füllen wir Wasser auf und holen uns Hilfe für die Heizung. Auch hier bekommt niemand diese zum laufen, der Gasgeruch wird allerdings als verdächtig angesehen. Wir bemerken außerdem, dass eine der beiden 11-kg-Flaschen Gas nur noch knapp 3,6 kg Gas hat – wie die interne Waage uns anzeigt. Seltsam. Schließlich war diese gestern – angeblich – voll und wir hatten die letzten Stunden kaum Gelegenheit, eben mal so knapp 8 kg Gas zu verheizen – zumal die Heizung ja auch gar nicht anspringt.

Wir lassen das Wohnmobil also stehen und fahren nachts mit dem Taxi heim. Am Sonntag versuchen der Gatte und der Nachbar mit einem Stapel Bedienungsanleitungen, dem Heizungsproblem auf die Spur zu kommen. Doch es tut sich nichts. Es fällt lediglich auf, dass der Regler der Heizung lose ist und man ihn sofort in der Hand hat, dreht man die Temperatur auf. Es zeigt sich auch, dass dieser nicht wie vermutet aufgesteckt ist sondern abgebrochen – das war bereits bei der Übergabe so.

Am Montag mailte der Gatte also dem Händler und bekam prompt postwendend Rückmeldung. Wir bekamen zwei Adressen von Concorde-Partnern, die sich mit solcherlei Fahrzeugen auskennen. Einen erreichten wir auch und er bat uns am 23. Dezember, Samstag vor Weihnachten, zu sich. Er macht uns jedoch klar, dass er nur für den Aufbau zuständig ist – für das Gefährt an sich und die zickende Gangschaltung brauchen wir eine Iveco-Werkstatt. Aber er kenne da eine.

Was beim Concorde-Spezialisten zu Tage tritt

Ab diesem Tag begannen die Dinge richtig Spaß zu machen – und zwar auf die richtig fiese Art. Denn was nun zutage trat, als der freundliche Herr (der eigentlich schon Betriebsurlaub hatte und sich notfallmäßig für uns Zeit nahm) alles entdeckte, kann einem schon mal den Atem stocken lassen. Als erstes führte er eine Gasprüfung durch. Diese ist übrigens Pflicht, verändert man etwas an der Gasleitung. Da wir einen Gasaußenanschluss legen haben lassen, fand diese Veränderung statt – die Gasprüfung offensichtlich jedoch nicht. Das Problem wurde auch schnell identifiziert. Der Außenanschluss hatte ein Leck. Nun könnte man meinen: Nun gut, sollte nicht passieren, kann aber. Nun lag das Leck aber nicht an einem seltsamen Defekt sondern schlicht und einfach an nicht sachgemäßer Installation. Die Verschlüsse ließen sich quasi mit der Hand öffnen und auf einer Seite fehlte der Schneidring, der das ganze abdichten soll, komplett.

Heureka, das erklärte auch, wohin die restliche Füllung der Gasflasche verschwand – irgendwo auf der Autobahn zwischen Saarland und Nürnberg haben wir etwa 8 kg „Gas gegeben“ bzw gelassen. Es dauerte mehr als 24 Stunden, bis diese Information in voller Bandbreite bei mir ankam – Heilig Abend nachts um 3 Uhr wachte ich schweißgebadet aus einem Alptraum auf (die Feuerzangenbowle hatte damit ganz sicher nichts zu tun ;-)). Einmal am suchen fand der Concorde-Spezialist noch ein paar andere nicht ganz koschere Dinge – beispielsweise ein viel zu straff verlegtes Kabel vom Solarpaneel zur Batterie, das auch direkt wieder aus der Steckverbindung gerutscht war. So bekam die Batterie natürlich keinen Saft. Wir entdeckten außerdem gemeinsam einen weiteren – und ursprünglichen – Gasaußenanschluss in der Heckgarage. Hätte uns ja jemand sagen können, hat aber vermutlich auch einfach niemand gewusst, da sich kaum jemand mit dem Fahrzeug beschäftigt zu haben schien.

Notfallreparatur vor Weihnachten

Nachdem die Probleme notfallmäßig repariert waren erhielten wir die Freigabe, unser mobiles Eigenheim doch gerne mal für ein paar Tage Probe zu wohnen. Zur Sicherheit allerdings nur im Umkreis von 100 km. Wir regelten also den Papierkram, schließlich darf der Händler die Kosten übernehmen. Als wir losfahren und dazu die Treppe einfahren wollten, machte diese gar nichts. Ein Blick darunter bestätigte: Die ist Schrott, da muss eine neue ran. Mit viel Mühe und Geschick schaffte unser Held des Tages es, die Treppe einzufahren (sonst hätten wir nicht losfahren können). Und wir sollten von nun an tunlichst vermeiden, diese wieder auszufahren. Nachdem er da also so unter dem Fahrzeug lag und den Blick schweifen ließ, gab er uns noch einen Tipp: „Wenn Sie damit sowieso in die Iveco-Werkstatt fahren: Lassen sie die Bremsen hinten besser auch mal ansehen.“

Kopfschüttelnd aber dankbar ob der schnellen und äußerst kompetenten Hilfe verließen wir den Hof. Geschichten erzählen konnten wir die nächsten Tage genug. Kurz nach Weihnachten schafften wir es dann auch, 2 Tage wegzufahren und trotz der ganzen Schwierigkeiten haben wir es keine Sekunde bereut: Wir fühlen uns in Free Willy pudelwohl.

Besuch in der Iveco-Werkstatt

Als nächster Termin stand am 5. Januar die Iveco-Werkstatt auf dem Plan. Nachdem unser Vertrauen in den Händler, der uns das Wohnmobil verkauft hat, komplett erschüttert war, bestanden wir auf einen Komplettcheck. Nach 2 Tagen hatten wir dann einen Kostenvoranschlag von 4000 Euro in der Hand. Plus 1000 Euro in der Concorde-Werkstatt. Nun mussten wir uns entscheiden, wie wir weiter vorgehen wollen. Es ist der 10. Januar.

Im März wollen wir auf Europareise gehen. Die Chance, bis dahin ein Fahrzeug zu finden, das annähernd so gut ausgestattet ist wie dieses – unwahrscheinlich. Wir sind im Januar beide arbeitstechnisch sehr eingespannt, die Wochenenden komplett verplant – keine Zeit für die Suche nach einem Wohnmobil. Also Augen zu und durch. Aber erst einmal fragen wir einen Anwalt um Rat. Wer die Kosten zu tragen hat steht außer Frage, und dass wir das Wohnmobil hier vor Ort und nicht im Saarland beim Händler reparieren lassen wollen ist ebenfalls klar. Und wie ist nun wegen der Gasleitung zu verfahren? Das ist schließlich keine Kleinigkeit.

Besser gleich rechtssicher und mit Anwalt

Der Anwalt rät uns, das über ihn machen zu lassen. Die ganze Sache hat nur einen – beziehungsweise mehrere – Haken. Zum einen müssen wir dem Händler das Recht zugestehen, nachbessern zu dürfen – auf eigene Faust und nicht dort, wo wir das gerne hätten. Ist diese Nachbesserung abgeschlossen, dürfen wir das ganze – auf eigene Kosten – nachprüfen lassen. Gäbe es immer noch Mängel, dürfe der Händler ein zweites Mal nachbessern. Da sind wir dann bei Haken Nummer zwei. Und dann gibt es noch Nummer drei: Das Recht des Händlers, vom Kaufvertrag zurücktreten zu dürfen. Wir lassen es darauf ankommen.

Am 15. Januar verlässt das Anwaltsschreiben das Haus. Inhalt: Übernahme der Reparaturkosten vor Ort oder nachbessern auf eigene Kappe. Fahrzeug muss in der Iveco-Werkstatt hier bei uns abgeholt und nach Reparatur wieder gebracht werden. Es wird empfohlen, es auf dem Hänger zu transportieren. Wir hatten große Hoffnung, all dieser Aufwand würde den Händler dazu bewegen, lieber die Kosten vor Ort zu übernehmen – auch, damit er einfach seine Ruhe mit dem Fahrzeug hat. Bei Abholung wurde uns nämlich gesagt, dass nicht jeder Mechaniker Hand an einen Concorde anlegen darf, die Werkstatt mit so einem großen Fahrzeug aber quasi voll sei und man den Rest der Mannschaft ja nicht einfach stundenlang vor die Werkstatt-Türe setzen könne…

Am 17. Januar bekommen wir Bescheid: Das Fahrzeug wird abgeholt, nach erfolgter Reparatur dürfen wir es wieder im Saarland abholen. No Sir, das werden wir nicht tun. Am 18.1. wird Free Willy also in der Iveco-Werkstatt abgeholt – natürlich von einem Fahrer und nicht mit einem Transporter. Ich hoffe nur, dass sie uns die Kiste auf der Autobahn nicht zu Schrott fahren. Im Anwaltsbrief stand auch, dass bis Freitag den 26. Januar Free Willy fertig sein solle.

Willst Du wissen, wie die Geschichte um #freewilly weiter ging? Dann erwarte voller Spannung Teil III

 

 

Unsere erste Nacht im Wohnmobil - so war sie wirklich...