65 Tage Ernstfall Abenteuer inklusive Schiffbruch – Teil 1

Seit 65 Tagen sind wir nun unterwegs in unserem Abenteuer Europareise mit Hunden im Wohnmobil. 65 Tage, die ich nun versuche zusammenzufassen.

Gestartet sind wir am Pfingstsamstag nachmittag bei schönstem Wetter. Das jährliche Grilltreffen in der fränkischen Schweiz, an dem die Nachbarn seit Jahren teilnehmen, unser erstes Ziel. Wir wurden lecker begrillt und haben bombig geschlafen, im sicheren Hafen eines Campingplatzes. Die kommende Nacht war dann ziemlich wild – jedenfalls in Sachen Stellplatz. Ziel war die ruhig und praktisch gelegene Zulassungsstelle in Nürnberg, die vor etwa einem Jahr umgezogen ist. Wild deshalb, weil die Zulassungsstelle durchaus noch aktiv ist – und wir am Dienstag morgen zwischen sehr vielen Autos aufgewacht sind, die am Abend vorher definitiv noch nicht da waren.

Von Franken nach Berlin…

Nach dem obligatorischen Spargelessen bei Schwiegermutter begann unser wilder Ritt von Franken in die Hauptstadt Berlin. Die erste Nacht haben wir in Marktschorgast auf dem Parkplatz eines Badesees verbracht. So mitten unter der Woche und bei den noch nicht sehr heißen Temperaturen waren wir hier faktisch allein. Es war ruhig und wunderschön, einzig die Schieflage der Plätze zwang uns dazu, 4x umzuparken. Aber dabei lernt man jede Menge. Abends kamen 2 Jugendliche vorbei, die direkt mit den Jungs Freundschaft schlossen und beide eine Weile beschäftigten.

Ein wenig tat es weh den Traumplatz zu verlassen, aber wir hatten Pläne und Termine. Und so ging es weiter: Wir sind auf ein altes Rittergut geholpert, haben auf einer Straußenfarm übernachtet (beides gefunden dank des Landvergnügen-Stellplatzführers) und nach einer Nacht direkt an der Spree haben wir den wohl teuersten Stellplatz in Berlin Köpenick besucht – zwangsweise. Ab hier hatten wir schon eine Ahnung, dass alles nicht ganz so ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Der ständige Ortswechsel, die Fahrerei mit einem aufgeregten Hund und ständig neue Eindrücke sind auf Dauer recht anstrengend.

Stellplatz Endschütz
Liebevolle Details wie diese findet man überall im Rittergut Endschütz

… und zurück

Nach Berlin wollten wir eigentlich den Spreewald mitnehmen und etwas erkunden. Hier fand sich in unserer App, die wir meist benutzen, auch direkt ein Stellplatz. Dort angekommen stellte sich heraus, dass wir A: schon wieder aus dem Spreewald raus sind und B: der Platz zwar nahe an einem See lag, der Zugang aber gesperrt war und wir zudem quasi auf dem Parkplatz einer Tankstelle parkten. Für 10 Euro war das allerdings okay. Weniger okay war das seltsam tropfende Geräusch, das uns beim Abendessen auffiel. Leider entpuppte es sich als unser Schwarzwassertank, der nach 3 Tagen einfach voll war. Details erspare ich Euch an dieser Stelle.

Damit war auch unser Tagesziel für den nächsten Tag klar: Eine Entsorgungsstation musste her. Die fand sich auch schnell und entpuppte sich als Glücksgriff. Ein Stellplatz direkt am See in Senftenberg, doch auch hier wieder: Hundebadeverbot. Wir beschlossen trotzdem zu bleiben. Die nächsten Tage waren irre heiß und zu allem übel machte unser Kühlschrank auch noch schlapp. Wir hatten vergessen die Winterabdeckung außen abzumachen und er kam mit dem Kühlen nicht hinterher… Wir lernen jeden Tag etwas neues.

Nach 3 Nächten hieß es auch hier: Adieu, wir kommen vielleicht mal wieder und haben uns für die kommenden Tage auf einen Campingplatz an einem See in Pahna eingebucht. Seeblick, Hundestrand und funktionierendes Internet. Passt. So lässt es sich aushalten – und wir kommen endlich mal zum arbeiten. Dennoch drückte schon nach 3 Tagen wieder der Reiseschuh, wir haben da noch ein paar Termine ausstehen, die wir schon Anfang des Jahres geplant hatten. Die letzte Nacht vor der Heimat haben wir in der Fattigsmühle verbracht – inklusive abenteuerlicher Anfahrt. Die Gäste im Biergarten guckten etwas verdutzt, als wir quasi mitten unter ihnen standen, aber so ging nun einmal der Weg 😉

Zurück in der Heimat bekam Willy ein nagelneues Heckregal und wir langsam Ordnung. Dazu kamen Arzttermine und diverse Verabschiedungen von lieben Menschen. 5 Tage große Hitze und sehr viele Termine später war endlich der Tag gekommen, an dem es richtig losgehen sollte.

Franken, Koblenz und Belgien

Erst nach Koblenz zum Seminar „Masterclass of Personality“ von Tobias Beck. Das war ohne Frage der bisher beste Tag dieser Reise – vielleicht sogar das Jahres. Schade nur, dass der Gatte nicht dabei war – aber einer musste ja die Hunde hüten. Danach ging es endlich nach Frankreich, genauer gesagt in die Normandie. Nach 8x Normandie endlich ohne Termindruck, ohne Rückreisedatum. Einfach treiben lassen in unserer liebsten Urlaubsregion und zweiten Heimat. Nach all dem Stress der letzten Monate wartet dort unser neues Leben. Die lang ersehnte Entspannung ist in greifbarer Nähe. Doch zuerst geht es nach Koblenz.

Koblenz präsentiert sich von zwei Seiten. Einerseits mit über 100.000 Einwohnern als doch recht große Stadt mit schäbigen Ecken, andererseits mit wunderschöner Natur drumherum, dem deutschen Eck mit Rhein und Mosel und grünen Hügeln. 2 Nächte stehen wir auf einem Stellplatz und lernen nicht nur einen Grillfleisch-Automaten kennen, sondern weitere Macken unseres neuen, rollenden Zuhauses. Von Entspannung und Freude über das neue Leben keine Spur. Stattdessen ein gestresster Hund und verhärtete eheliche Fronten.

Wohnmobilstellplatz Koblenz
Koblenz bzw. Lahnstein bei Koblenz

Wir machen uns am Tag nach dem Seminar auf in Richtung Belgien. Dort wollen wir eine Nacht verbringen und dann so schnell wie möglich ans Meer. Die Straßen in Belgien sind mindestens so schlecht wie ihr Ruf, die Landschaft für uns „typisch französisch“. Der Stellplatz ist kostenlos und bei einer alten Kohlemine auf dem Parkplatz. Irgendwie cool, das Wetter ist uns weiterhin hold. Am nächsten Tag erreichen wir Frankreich.