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14. August 2014

Eine Huskyfarm in Mittelschweden

Reisebericht über den Besuch auf einer Huskyfarm in Schweden

Man stelle sich einen Ort vor, der äußerst dünn besiedelt ist, an dem es im Winter empfindlich kalt ist, nur wenige Stunden Tageslicht vorherrscht, der Wald Dein ständiger Begleiter ist, der Schnee unter den Füßen knirscht und an dem der Handyempfang so zuverlässig ist, als stünde man am Flughafen von Stockholm – erstaunlich aber wahr.

Ach ja, der Ort, der besagte, er befindet sich hier, irgendwo im Nirgendwo – Sörsjön, im nördlichen Zipfel der schwedischen Provinz Dalarna, nahe der Grenze zu Norwegen.

Mit dem Flieger reisen wir nach Oslo und von dort geht es mit dem Trysilexpressbus weiter in nordöstliche Richtung bis nach Nybergsund, dort holt uns ein Mitarbeiter der Huskyfarm mit dem Auto ab und bringt uns direkt auf die Farm Stykettgarden zu Christer und Kristin. Zur Begrüßung werden wir direkt mit auf die Nachbarsfarm genommen, dort findet gerade der örtliche „Weihnachtsmarkt“ statt.

Nicht so wie man es von hier kennt, nein, viel gemütlicher, persönlicher, einfach toll. Ein typisches rotes Holzhaus mit weißen Fenstern, alle weihnachtlich dekoriert, die Zufahrt mit Fackeln ausgeleuchtet, vor dem Haus ein kleines Feuer mit einem Kessel frisch aufgesetzten Gloegg, es hat lauschige -25 Grad und alles ist schneebedeckt, es ist wie im Märchen.

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Betritt man das Haus, ist es als ob man in den aktuellen IKEA-Katalog eintaucht, ohne Witz, fast alles an Einrichtungsgegenständen scheint man so, oder zumindest so ähnlich schon gesehen zu haben. Wir werden freundlich begrüßt und mit Selbstgebackenem verköstigt. Ein sehr gelungener Einstand.

Erschöpft, satt und zufrieden beziehen wir unsere Holzhütte in unmittelbarer Nähe zur Huskyfarm und betten uns in freudiger Erwartung, was die kommende Tage so mit sich bringen. Nach dem Frühstück machen wir uns am nächsten Morgen auf den kurzen Fußweg zur Farm. Wir werden bereits von Kristin zu einem ersten Rundgang erwartet.

Zu Kristin sei kurz anzumerken, das dieses zierliche und voller Elan steckende Persönchen aus Norwegen kommt, den Schweden Christer geheiratet hat und mit ihm diese Farm betreibt. Sie besitzt die Gabe, scheinbar ohne zu atmen, stundenlange Monologe über Farm, Hunde, ihren Mann, die anderen Tiere, Schweden, Norwegen, Skandinavien im allgemeinen und der restlichen Welt zu halten . Nebenbei führt sie uns durch das Gehege der 75 Hunde, bereitet Futter vor, reinigt die Zwinger usw. Wie ich ja bereits erwähnte, sie steckt voller Elan.

Nach dem Mittagessen geht es dann auf eine ca. 2-stündige Wanderung mit den 6 Monate alten Junghunden durch die umliegenden Wälder. Eine tolle Erfahrung und man spürt bereits bei den Junghunden die Kraft und Ausdauer, die ihnen von Natur aus mitgegeben ist.

In den folgenden 5 Tagen sind wir voll in das Farmleben integriert, wir helfen beim Versorgen der Hunde, Pferde und Hochlandrinder, unterstützen bei kleineren Reparaturmaßnahmen und jeweils nach dem Mittagessen brechen wir auf zu einer 2-5 stündigen Schlittenhundetour. Es ist wirklich ein riesiges Spektakel wenn ein Hund nach dem anderen an die Gespanne gehängt wird: Die Huskies und Malamuts jaulen, bellen, springen, tippeln, hecheln aufgeregt. Sobald die Leinen los sind und das Führungsgespann vorneweg fährt ist schlagartig Ruhe und die Hunde gehen konzentriert an ihr Werk.

4 Gespanne mit jeweils 8-10 Hunden verlassen das Gelände der Farm und tauchen ein in die weiten Wälder Mittelschwedens. Dieser Moment ist unbeschreiblich und gibt einem das Gefühl völliger Ausgeglichenheit, Entspanntheit und Ruhe. Es gibt keinen Alltagsstress mehr, keine Sorgen oder Ängste, es gibt nur die Natur, die Hunde und dich.

Ich wurde sehr häufig gefragt, wie das denn mit der Kälte auszuhalten ist. Ganz einfach, es ist kein Problem, wenn man die richtige Kleidung trägt und ein paar Grundregeln beachtet.

Zur Kleidung ist zu sagen, das moderne Funktionswäsche und Kleidung in Schichten das beste Ergebnis erziehen, auf entsprechende Qualität sollte man achten.  Es heißt ja nicht umsonst „es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung“ 😉

Bleiben noch die Grundregeln:

  • trinken, ähnlich wie im Sommer, mit dem Unterschied, das man sich das regelmäßige Trinken bewußt machen muß, da das Durstgefühl sehr viel später einsetzt und man i.d. Regel heiße Getränke zu sich nimmt
  • in Bewegung bleiben, dann kriecht einem die Kälte nicht in die Glieder
  • die Lippen einfetten und eine Sturmhaube bei der Ausfahrt verhindern das Einatmen der sehr kalten Luft.

Wir hatten zwischen -27 und -15 Grad, allerdings windstill und ohne Niederschlag, die trockene Kälte lässt sich besser aushalten als z. B. Nieselregen und 0 Grad

Wie man sieht, war es sehr kalt ;-)

Wie man sieht, war es sehr kalt 😉

Außerdem bekommt man einen Bärenhunger, der durch die hervorragende schwedische Hausmannskost jederzeit und ausreichend gestillt wurde 😉 Die Dunkelheit ist dein stetiger Begleiter, gegen 9 Uhr hat sich das Tageslicht durchgesetzt, muß der, zu dieser Jahreszeit, übermächtigen Dunkelheit aber bereits ab 14 Uhr wieder weichen. Für 6 Tage war das für einen Mitteleuropäer zwar gewöhnungsbedürftig und rüttelt das mehr oder weniger ausgeprägte Zeitgefühl kräftig durcheinander, ist letztlich aber kein Problem.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Abendröte

Abendröte

Ich kann nur jedem empfehlen, der sich für die Schlittenhunde und den Winter begeistern kann, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Es ist eine vielleicht einmalige Erfahrung ein paar Tage seines Lebens so eng mit Tier und Natur verbunden zu sein.

Auch nach knapp 4 Jahren sind die Erinnerungen noch frisch und präsent als wäre es gestern gewesen.

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