Rituale
Es ist Sonntagmorgen, das linke Auge schläft noch, das rechte ist wach und der Kopf arbeitet schon wieder an neuen Ideen. Das Flusenradar schlägt an. Er scheint eine direkte Verbindung zwischen meinem wachen Kopf und der Fluse zu geben. Ein breiter Bernerkopf legt sich auf mein Bett, welches schon völlig mit Haaren übersät ist. Schmuserunde. Soll er bekommen. Je nach Wachheitsgrad des Terriers beteiligt sich dieser – oder eben auch nicht. Ich wanke in die Küche um mir einen Kaffee zu machen. Das Ritual geht weiter, denn jetzt flitzen beide Hunde mit. Der Terrier etwas dezenter, die Fluse hat es eilig. Ich mache die Kaffeemaschine an und während sie heizt schicke ich die Hunde in den Garten. Oder zumindest einen. Denn seit über einem Jahr weigert sich die Fluse rauszugehen. Tür auf, er guckt raus. Dann dreht er sich einmal um sich selbst und setzt sich dann in bester Bei-Fuß-Manier neben mich, guckt mich erwartungsvoll an und sein Schwanz fegt zweimal über den Boden. Ich lache, streichle ihn und er drückt seinen Kopf gegen meinen Oberschenkel.
Dann gehen wir in die Küche. Die Bohnen mahlen und ich hole die Milch aus dem Kühlschrank. Die Fluse sitzt in der Küchentür und guckt erwartungsvoll. Prinzessin Terrier hat sich auch wieder zu uns gesellt, hält sich aber im Hintergrund. Ich schütte etwas Milch in den Napf des Terriers der direkt neben der Küchentür steht. Mit drei großen Schlabberern leert die Fluse den Napf. Der Terrier guckt nicht mal hin. Dann öffne ich den Hundeschub. An guten Tagen ist da außer Zeckenzange, Medikamenten, Ausweisen und undefinierbaren Krümeln auch was feines drin. Kaustangen, Ochsenziemer oder Rinderkopfhaut. Ich ziehe eine Rinderkopfhaut für die Fluse raus. Er nimmt sie und zischt ab. Das war einfach. Jetzt kommt der schwierige Teil. Ich nehme ein kleines Stück Ochsenziemer. Kommt eigentlich immer gut an. Ich halte es dem Terrier hin. Er schnüffelt und überlegt. Ich überlege auch schon. Er weiß das. Er guck mich an. Ich packe den Ochsenziemer weg. Nehme eine Kaustange. Er schnüffelt, nimmt sie mit spitzen Zähnen und sieht mich dabei mit einem todesverachtenden Blick an. Ich gucke in die Schublade. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der Terrier mir die Kaustange wieder vor die Füße spuckt. Triumphierend ziehe ich von ganz unten ein gezwirbeltes Teil mit Hühnergeschmack raus. Ich halte es ihm hin und muss meine Hand zurückreißen, da er sie sonst mit verschluckt. Der Blick den er mir zuwirft sagt: Na also, geht doch. Anschließend gehe wir alle drei noch einmal ins Bett. Ich trinke Kaffee und lese Blogs, die Fluse rollt sich neben dem Bett zusammen, der Terrier döst auf seinem Kissen. Erst eine Stunde später wird es dann langsam wieder aufregend, denn dann geht es zum Bäcker. Wie das dann aussieht zeige ich wann anders hier. Sogar mit Videos.
Habt Ihr auch irgendwelche besonderen Rituale?