Von Briquebec nach Hatainville und Pont l’Eveque

Den Montag früh mit einem Marktbesuch zu beginnen hat definitiv etwas. Nachdem unsere Einkäufe erledigt sind, haben wir uns noch ein Käffchen am Marktplatz gegönnt und dem bunten Treiben zugesehen. Anschließend sind wir 20 Minuten zu Stellplatz gelaufen, haben Willy gepackt und sind Richtung zweiter Heimat gefahren.

In den Dünen von Hatainville

Einer unserer liebsten Plätze in der Normandie sind die Dünen von Hatainville. Da wir schon oft an einem Schild vorbeifuhren, das auf einen Campingplatz verweist, sehen wir uns diesen endlich einmal an. Die Aussicht soll jedenfalls atemberaubend sein. Dort angekommen finden wir 2 sonnenverbrannte Wiesen vor. An den Rändern stehen Säulen mit Strom. Es gibt in der Mitte ein Sanitärhäuschen, mehr nicht. Wir schunkeln zu der unteren der beiden Wiesen, blicken über die Dünen bis zum Meer und beschließen, dass wir genau jetzt bestimmt nicht irgendwo anders sein wollen. Es ist eben wieder einer dieser Orte.

Das Wetter ist weiterhin bombig, tagsüber sehr warm, nachts kühlt es prima ab. Zu Fuß sind es zum Meer 25 Minuten. Leider entlang der Straße, da die Dünen Naturschutzgebiet und damit eingezäunt sind. Aber gibt es etwas schöneres, als nach getaner Arbeit die Jungs zu schnappen, zum Meer zu laufen, dort den menschenleeren Strand zu genießen, im kristallklaren Wasser zu planschen und sich glücklich zu schätzen, hier sein zu dürfen? Ich glaube nicht. Ginge es nach mir, wir wären vermutlich immer noch dort.

Knatsch im Paradies

Doch nach 3 Tagen knallt es im Paradies. Willy und der Gatte, das geht auf Dauer einfach nicht gut. Wir diskutieren hart am Limit. Ein kompletter Abbruch stand im Raum. Doch wir kriegen die Kurve und treffen eine Entscheidung. Eine, mit der wir beide leben können. Wir fahren nach Deutschland, verkaufen Willy und legen uns einen kleinen Campervan samt Wohnwagen zu. Wir stehen gern auf Campingplätzen, warum also nicht Auto und Wohnwagen? Weil mir nur Campingplatz zu unfrei ist. Ich will auch mal am Meer stehen können oder irgendwo, wo es grün ist. Der Campervan ist daher der Kompromiss.

Und so packen wir nach einer Woche Willy und fahren 1100 km aus dem Paradies nach Deutschland. 6 Tage sind wir unterwegs. Vormittags arbeite ich Aufträge ab, nachmittags fahren wir. Die Stimmung wird langsam besser, ist aber immer noch meilenweit von dem entfernt, was ich mir – wir uns – andere uns – gewünscht haben. Alles ist so schwierig und verdreht und wir wollen das beide nicht, kommen aber nicht wirklich raus. Wir fahren von Hatainville nach Pont l’Eveque und landen auf einem Campingplatz – aber nur, weil wieder einer dieser Tage ist – der uns vollkommen begeistert. Eine Obstwiese vor einem alten Herrenhaus. Der Check-In war recht spektakulär.

Camping Pont l’Eveque

Ich steige am Holzverschlag, der den Campingplatz-Eingang markiert, aus und sage mein Sprüchlein auf: Wohnmobil, 2 Erwachsene, 2 Hunde, eine Nacht. Die an die 70 gehende Französin mit den faltigen Oberarmen fragt nach Strom, ich verneine. Dann nimmt sie einen karierten Din A4-Zettel. Schlägt ihren Ordner auf. Popelt den Zettel durch den einen Metallbügel, dann den anderen. Streicht ihren nun so beinahe einwandfrei gelochten Zettel glatt. Fragt mich nach meinem Familiennamen. Ich habe bereits den Ausweis parat und halte ihn ihr unter die Nase. Buchstabieren auf französisch übersteigt meine Kenntnisse. Dann möchte sie das Nummernschild wissen. Sie verrenkt ihren Hals, ich buchstabiere und korrigiere.

Als sie nach etwa 5 Minuten alles gewissenhaft notiert hat, beginnt sie, dahinter die Preise zu schreiben.

Camping Car: 5 Euro
2 Personen: 2,50 Euro
2,50 Euro
2 Hunde: 1 Euro
1 Euro

Sorgfältig schreibt sie alles noch einmal auf einen Schmierzettel, um es untereinander zu sehen und wie ein Viertklässler in der Schule zusammen zu rechnen. Ich wundere mich, bin ich doch eher so das Modell Rechenlegastheniker und rechne die paar Zahlen fix im Kopf zusammen. Und das, wo für mich alles auf dem Kopf steht. Sie muss das täglich seit vielen Jahren mehrmals die Stunde machen. Aber gut, wir sind nicht auf der Flucht. Nach gefühlten 12 Minuten sind wir fertig, uff.

Wir sollen uns einfach einen Platz suchen. Das machen wir. Wir stehen im Schatten unter einem der Obstbäume – so halb zumindest. Die Obstbäume sind klein, Willy ist groß. Die Jungs steigen aus und kugeln durchs Gras. Das ist unser Zeichen, aufzuatmen. Wenn die Jungs es hier mögen, mögen wir es auch. Das Gras ist mehr als knöchelhoch und butterweich. Wir packen den Grill aus und lassen es uns gut gehen. Ab 21 Uhr wird das Licht hier magisch, so, wie wir es aus der Normandie kennen.

Am nächsten Morgen arbeiten wir. Natürlich habe ich aktuell Kundenaufträge zu erledigen, die ich nicht aufschieben will. Also wird vormittags gearbeitet, nach dem Mittagessen abgespült und alles reisefertig gemacht. 200 Kilometer sind unser Tageslimit, was etwa 3 Stunden reine Fahrt bedeutet plus entsorgen, einchecken und eventuell einkaufen. Über Corbie (Camping Municipal, zwar schön grün aber von der Stimmung her so gar nichts zum wohlfühlen) bei Amiens tasten wir uns die nächsten Tage ins Val de Vesle bei Reims vor und finden einen sehr schönen Campingplatz mit einem Fluß zum baden für die Fluse.

Als nächstes Ziel steht Metz auf dem Plan und zum ersten Mal überhaupt stehen wir so richtig touristisch. Ein großer Parkplatz, an dessen Rändern sich zahlreiche Vergnügungsparks befinden und dazwischen ein Stellplatz. Ein Aquarium, eine Eishalle, ein Schwimmbad und ein Zoo sind ein paar der etwa 12 Attraktionen. Hängen geblieben sind davon vor allem der Gassigang mit den Jungs um den Zoo. Die Fluse blieb plötzlich wie angewurzelt stehen und wollte keinen Zentimeter weiter gehen. Er hat wohl einen Schwall Wildkatze in die Nase bekommen und Gefahr gewittert. Faszinierend zu sehen, welche Instinkte und Kräfte in unseren Haushunden noch wirken. Mit eingezogenem Schwanz und ohne großes Gewese musste ich ihn hinter mir herschleifen.Am Abend nutzten wir die Gelegenheit der nahen Attraktionen und gingen Essen – was auch sonst. Wer meint, wir würden Schwimmen oder gar Eislaufen gehen, kennt uns schlecht 😉 Der Gatte erwählte den Sushimann vor Ort zu unserem abendlichen Ziel und so kamen wir in den Genuss eines sagenhaft asiatischen Büffet. Dass wir in Frankreich sind erkannte man ganz leicht daran, dass neben den Desserts auch Käse zu finden war 😀 Besonders lecker waren auch die Sushi-Röllchen mit knusprigen Röstzwiebeln außen.

Back in Germany

So kurz vor der deutschen Grenze war es am nächsten Mittag nur ein Hopser nach Bexbach. Dort gibt es einen Flugplatz mit einem sehr schönen Stellplatz, der sogar einen gemauerten Grill nebst umliegenden Kräutergarten hat. Leider hatten wir das Pech, das neben uns eine sehr große Ansammlung von Jesusbrüdern in Wohnwägen ihr Lager für das Wochenende aufgeschlagen hatte und neben Hundegebell auch auf- und abrollernde Kinder und die ein oder andere Schlager-Gesangsparade die wunderbare Ruhe störte. Das Highlight war ohne Frage aber der Wald, der direkt an den Platz angrenzte. Zu ersten Mal seit Wochen wieder zwischen Bäumen spazieren gehen – das haben die Jungs und wir gleichermaßen genossen.

In Großbottmar war dann unsere letzte Zwischenstation vor „daheim“. In der Nähe sahen wir uns unseren ersten Wohnwagen an – zumindest von außen. Der Hagelschaden war dann doch so schlimm, das eines der Einschlaglöcher (Tischtennisballgroß) mit Tape abgeklebt war. So machten wir uns hoffnungsvoll auf den Weg nach Nürnberg, um ab Montag die nähere Umgebung nach einem passenden Wohnwagen abzusuchen.